Wieder weniger Arbeitslose
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17. Dezember 2018 12:42
   

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Autor Thema: Wieder weniger Arbeitslose  (Gelesen 6554 mal)
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antares
Grünschnabel
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« am: 08. Juli 2008 14:44 »

Die Arbeitslosenzahlen gehen nach unten. Toll, was? Es ist doch immer wieder erstaunlich, zu welchen Mitteln die Bundesagentur für Arbeit (besser: Bundesagentur für Arbeitslosenverwaltung) greift, um die Statistik besser aussehen zu lassen:

Um Mittel und Wege zu finden, Langzeitarbeitslose aus der Statistik zu bekommen, gibt es es bei der BA ein Budget in dreistelliger Millionenhöhe. Aber nicht etwa dafür, die Betroffenen wieder in Lohn und Brot zu bekommen, nein, um sie mit Gewalt aus der Statistik zu eliminieren! Dazu muss man wissen, dass auch Langzeitarbeitslose ohne Leistungsbezug von der BA noch in der Job-Vermittlung geführt werden. Somit sind diese Personen also in der Arbeitslosenstistik enthalten, auch wenn sie keine Bezüge durch die BA erhalten. Ist ja im Prinzip auch richtig so. Jetzt will die BA aber nicht mehr, die Langzeitarbeitslosen sollen raus! Da man aber leider keine finanziellen Repressalien gegen die Betroffenen hat, müssen andere Mittel her. Um solche zu finden und umzusetzen, gibt es daher das o.g. Budget.
In der Praxis sieht das z.B. so aus, dass den betroffenen ein Fragebogen zugesandt wird, den sie bitte zwingend innerhalb einer bestimmten Frist auszufüllen und unterschrieben zurückzusenden haben. Die Fragen sind z.T. heftig:
So soll man sich u.a. schriftlich dazu verpflichten, pro Monat eine bestimmte Anzahl von schriftlichen, telefonischen und persönlichen Bewerbungen zu machen, die man der BA auch auf Anfrage nachweisen muss. Wird der Fragebogen nicht ordnungsgemäß ausgefüllt und innerhalb der Frist zurückgesandt, fliegt man aus der Jobvermittlung und damit aus der Statistik!

Da fragt man sich allen Ernstes, warum man den Fragebogen ausfüllen soll, wenn man ohnehin keine Leistungen erhält. So mancher Langzeitarbeitslose wird also den Fragebogen zum Altpapier geben, nach dem Motto "Die können mich mal..." und schwupps....gibt es einen Arbeitslosen weniger in dieser schönen Republik. Denn jetzt kommt für den Betroffenen der Haken an der Sache: Solange man in der Job-Vermittlung arbeitslos gemeldet ist, meldet die BA die Zeit als Ausfallzeit an den jeweiligen Rentenversicherungsträger (ist ja nicht so ganz unwichtig). Ist man nicht mehr in der Vermittlung, werden also keine Ausfallzeiten mehr gemeldet. Nur: Wem ist das tatsächlich so richtig bewusst ?? Weder im Anschreiben der BA noch im Fragebogen selbst wird auf diese Konsequenz hingewiesen, die bei Nichtzurücksenden des Fragebogens auf die betroffenen Personen zukommt. Und das halte ich schlicht und ergreifend für eine Sauerei (tut mir leid, aber ich weiß nicht, wie man "Sauerei" NETT schreiben soll... Huh?)

Hauptsache, die liebe Regierung kann wieder mit Erfolg vermelden, dass auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen über 50  und älter zurückgeht. Gewußt wie! Tolle Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt.

Schöne Grüße

antares
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Andreas
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« Antworten #1 am: 08. Juli 2008 22:03 »

Kürzlich war in einem Polit-Magazin im Fernsehen -- ich weiß nicht mehr genau, wo ich das gesehen habe -- ein Bericht über schulpflichtige Kinder von Hartz IV Empfängern. Einige dieser vorgestellten Kinder besuchten ein Gymnasium und konnten durchaus gute Noten vorweisen. Auch Noten, die eine Hochschulzulassung ermöglichen.

In dem Beitrag wurden zwei Arbeitsagenturen genannt, die die Schüler, bzw. die Eltern aufgefordert haben, eine Erklärung abzugeben. Zuvor wurde schon abgefragt, ob die Kinder noch zur Schule gingen. Jedenfalls ging es darum, dass die Kinder sich verpflichten sollten, möglichst bald eine Arbeit aufzunehmen, um eigenes Geld zu verdienen.

Mit einem Studium hätte dann möglicherweise die Chance bestanden, aus dieser "Sozialhilfe-Hartz-IV-Spirale" heraus zu kommen.
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Offensichtlich gibt es hier viele fleißige Mitleser, aber niemand der sich dann mal überwindet, auch selber mal was zu schreiben! Das ist auf Dauer schon ziemlich frustrierend!
Matthias
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« Antworten #2 am: 09. Juli 2008 00:35 »

Diese Zahlen sind von vorne bis hinten geschönt. Sobald jemand einen sogenannten "1 Euro Job" macht, ist er nicht mehr als arbeitssuchend gemeldet. Der Lebensunterhalt wird damit aber noch lange nicht verdient.
Genauso verhält sich das mit Arbeitslosen, die für einige Wochen eine Fortbildung machen. Auch die sind in dieser Zeit nicht als arbeitssuchend gemeldet, da wären wir wieder bei der Rentenausfallzeit.
Das ganze ist meiner Meinung nach eine auf brechen und biegen geschönte Statistik, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Grüße
Matthias
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Wer glaubt frei zu sein, der irrt sich gewaltig.
Luan
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« Antworten #3 am: 14. Juli 2008 22:05 »

Ich habe heute eine interessante Meldung in der Presse gelesen, die ich hier wiedergeben möchte:

Zitat
Berlin (dpa)
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Frank-Jürgen Weise, hat der Zusammenarbeit seiner Behörde mit den Kommunen ein miserables Zeugnis ausgestellt: Die Konstruktion der Arbeitsgemeinschaften sei im Prinzip gut, die Zusammenarbeit der BA mit privaten Dritten, mit Kommunen oder der Wohlfahrtspflege „praktisch aber eine Katastrophe“, sagte Weise. „Es war ein Mitternachts-Bierdeckel-Kompromiss von beruflich unerfahrenen Menschen, die gesagt habe, die BA arbeit mit den Kommunen bundesweit 50:50 zusammen.“ Letztlich aber seien die Zuständigkeiten nicht klar geregelt gewesen, machte Weise deutlich.

Irgendwo hab ich mal gehört, dass Einsicht der erste Schritt zur (Ver)Besserung ist.
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Andreas
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« Antworten #4 am: 15. Juli 2008 20:20 »

Da hat der Luan gestern was geschrieben und schon heute gab es ein „Update“ zu dem Thema:

Zitat
Berlin (dpa)
Langzeitarbeitslose sollen auch künftig eine Betreuung aus einer Hand erhalten. Damit dies möglich bleibt, wollen Bund und Länder das Grundgesetz ändern. Darauf verständigte sich überraschend die Sonderkonferenz der Arbeits- und Sozialminister in Berlin. Ein monatelanges Tauziehen wurde dadurch verhindert. Erst die angestrebte Verfassungsänderung macht es möglich, das vom Bundesverfassungsgericht beanstandete Modell der Jobcenter vom Kommunen und Arbeitsagenturen fortzuführen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kündigte an, die Änderungen sollten bis zum Jahresende umgesetzt werden. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) sagte, die „gute Konstruktion“ der Argen werde nun „verfassungsgemäß“ gemacht.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die von der Bundesagentur für  Arbeit und Kommunen gemeinsam organisierten Arbeitsgemeinschaften (Argen) als unzulässige Mischverwaltung beanstandet und eine Änderung bis Ende 2010 gefordert. Mit dem Beschluss, der diese Argen langfristig absichert, erhalten auch zehntausende von Beschäftigten der Jobcenter eine Perspektive.

Meist ist es ja ganz normal, dass anfänglich neue Strukturen mehr oder weniger „quietschen“ -- bis die sich dann mal „ein geruckelt“ haben. Es bleibt wohl abzuwarten, wie es mit diesem Konstrukt weiter gehen wird.
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Offensichtlich gibt es hier viele fleißige Mitleser, aber niemand der sich dann mal überwindet, auch selber mal was zu schreiben! Das ist auf Dauer schon ziemlich frustrierend!
Luan
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« Antworten #5 am: 12. August 2008 22:03 »

Heute fand ich eine Meldung in der Tagespresse über eine Befragung von Langzeitarbeitslosen. Danach hat jeder zehnte Langzeitarbeitslose das Gefühl, dass sich die Arbeitsagentur nicht hinreichend mit seiner persönlichen Lebenssituation auseinandersetzt. Befragt wurden 35.000 Betroffene in den ersten beiden Quartalen.

Die Befragten kritisierten, dass sich die Vermittler nicht ausreichend um familiäre oder gesundheitliche Probleme auseinandersetzen. Insgesamt wurde die Leistungen der Jobcenter mit der "Schulnote drei" bewertet.
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